AKW Unfälle - AKW Störfälle
Die Atomindustrie - allen voran die Propagandaorganisation AXPO - versucht uns ständig weiszumachen, dass Atomkraftwerke sicher sind, AKW-Unfälle wie Tschernobyl sind nur im Osten möglich. 20-Minuten hat eine Auflistung bisheriger AKW-Unfälle publiziert, die ich hier zu bedenken gebe. Es scheint, dass die Ausnahme eher die Regel ist.
Dezember 1952: In einem Reaktor im kanadischen Chalk River bei Ottawa kommt es zu einer schweren Explosion. Der Reaktorkern wird bei einer partiellen Kernschmelze zerstört.
September 1957 In einer Wiederaufbereitungsanlage im russischen Kyschtym explodiert ein Tank mit radioaktiven Abfällen. Dabei werden grosse Mengen an radioaktiven Substanzen freigesetzt.
Oktober 1957 Im britischen Atomreaktor in Windscale - seit 1983 Sellafield genannt - wird nach einem Brand eine radioaktive Wolke freigesetzt, die sich über Europa verteilt.
Juli 1971 Im schweizerischen AKW Mühleberg ereignet sich ein schwerer Brand im Maschinenhaus, der mehrere Sicherheitssysteme lahm legt. Eine grosse Anzahl von Fehlalarmen erschwert den Überblick. Die Betriebsleitung gesteht später, dass die Situation im Kontrollraum während Minuten ausser Kontrolle geraten ist.
Juli 1973 Wieder kommt es in Windscale zu einer schweren Explosion, bei der ein grosser Teil der Anlage verseucht wird.
Januar 1977 Kurzschlüsse in zwei Hochspannungsleitungen führen im deutschen Atomkraftwerk Gundremmingen in Bayern zu einem Totalschaden. Das Reaktorgebäude ist mit radioaktivem Kühlwasser verseucht.
Dezember 1978 Im deutschen AKW Biblis A ereignet sich ein schwerer Vorfall. Die Betriebsmannschaft übersieht während drei Arbeitsschichten, dass ein Ventil nicht ordnungsgemäss schliesst – sie glaubt vielmehr, dass die Alarmlampe, die das Versagen des Ventils anzeigt, nicht in Ordnung ist. Die Temperatur im Reaktor steigt gefährlich an. Um ein Uhr morgens entschliessen sich die Operateure, den Reaktor abzuschalten, ändern aber nach zehn Minuten wieder ihre Meinung, weil sie unbedingt einen Produktionsausfall vermeiden möchten. Statt abzuschalten versuchen sie nun ein riskantes Manöver. Doch das geht schief – ein Leck ist die Folge, Radioaktiver Dampf tritt aus. Der Störfall wird allerdings erst bekannt, als ein amerikanischer Informationsdienst das Geschehen ein Jahr später aufdeckte.
August 1979 Die US-Atombehörde beschuldigt die Betreiberin des schweizerischen AKW Beznau I, einen schwerwiegenden Defekt geheim gehalten zu haben, bei dem es zum Sieden des Kühlwassers an den Brennstabrohren gekommen ist. Es handelt sich um denselben Defekt, der in den USA zur teilweisen Kernschmelze im AKW Three Mile Island geführt hat. Beznau musste nach dem Zwischenfall für 103 Stunden stillgelegt werden.
März 1979 Maschinen- und Bedienungsfehler führen im US-Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg zum Ausfall der Reaktorkühlung, die eine partielle Kernschmelze und die Freisetzung von radioaktiven Gasen zur Folge hat.
April 1986 Kernschmelze im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl. Fachleute geben die Zahl der zu erwartenden Toten mit zwischen 4.000 und 100.000 an. 4.000 Menschen erkrankten infolge des Unfalls an Schilddrüsenkrebs.
November 1986 Im schweizerischen AKW Leibstadt bedient ein Operateur die falsche Taste. Dadurch erhöht sich im Reaktor der Druck, er muss innert Sekundenfrist automatisch abgeschaltet werden. Süddeutsche Medien behaupten, dass dabei Radioaktivität ausgetreten ist. Die Kraftwerksleitung bestreitet dies. Auffällig ist aber, dass Leibstadt ausgerechnet 1986 die höchste jemals gemessene Jahres-Dosis aufwies.
September 1987 Weil Abluftfilter im AKW Mühleberg defekt sind, kann radioaktive Luft in die Umgebung entweichen. Da auch das Messgerät kaputt ist, wird die Freisetzung erst gar nicht bemerkt. Und auch nachher kommt sie nur durch Zufall an den Tag – die Betreiberin hatte die Oeffentlichkeit nicht informieren wollen, weil der Vorfall zu unbedeutend sei. Mühleberg-Vizedirektor wird im «Blick» zitiert mit den Worten: «Wir benachrichtigen die Presse auch nicht, wenn bei uns ein Wasserhahn tropft.» Auch der Bund wartet zu: Eidgenössische Experten kommen erst drei Wochen nach der Panne in die Region, um Früchte und Gemüse zu untersuchen. Sie empfehlen, Äpfel vorläufig geschält zu essen. Unabhängige Fachleute kommen zum Schluss, dass bei der Filterpanne mehr Radioaktivität freigesetzt worden ist als durch Tschernobyl in die Schweiz gelangte.
Dezember 1987 Im schweizerischen AKW Beznau wurden alte Bortanks abgebrochen. Dabei zeigte sich gemäss Angaben der Aufsichtsbehörde HSK, dass die Erde bis auf rund 3 Meter Tiefe radioaktiv verseucht ist (u.a. mit Cäsium-137). Die Verseuchung sei auf eine Leckage vor 15 Jahren zurückzuführen. Das radioaktive Material war damals von der NOK ausgebaggert und am Ufer der Aare deponiert worden.
September 1990 Im schweizerischen AKW Leibstadt ist das Reaktorschnellabschalt-System während mehrerer Stunden nicht funktionsfähig. Die Aufsichtsbehörde untersucht den Vorfall und kommt zum Schluss, dass Betriebsvorschriften nicht eingehalten worden sind und eine Alarmanzeige stundenlang ignoriert worden ist.
April 1993 Im französischen AKW Nogent fallen fünf Sicherheitssysteme gleichzeitig aus. Eine Überprüfung des Feuerlöschsystems hatte zum Ausfall von drei Ventilationssystemen geführt, ein anderes Ventilationssystem war abgeschaltet wegen Unterhaltsarbeiten und das Branderkennungssystem funktionierte überhaupt nicht.
August 1995 Um 8.22 Uhr ereignete sich im KKW Leibstadt während der Revisionsarbeiten eine Explosion. Zwei Angestellte erlitten Verbrennungen dritten Grades. Die Monteure wollten im Maschinenhaus einen Teil der Hilfsdampfanlage überprüfen. Sie öffneten bei einem der Behälter einen Deckel, es trat Wasserstoff aus, der sich entzündete. Im Normalbetrieb befindet sich im betroffenen System Frischdampf der aus dem Reaktor kommt und demnach kontaminiert ist.
Dezember 1996 Im schweizerischen AKW Leibstadt explodiert ein Stromwandler aus unerklärlichen Gründen. Der Stromwandler war erst im August auf seine Funktionstüchtigkeit untersucht worden.
März 1997 In der japanischen Anlage Tokaimura ereignete sich ein Feuer mit anschliessender schwerer Explosion, weil die Sprinkleranlage zur Bekämpfung des Feuers nach einer Minute schon wieder abgeschaltet wurde. Die Behörden werden erst mit vierstündiger Verspätung über den Austritt von Radioaktivität informiert. 37 Arbeiter atmeten Radioaktivität ein.
Juni 1999 Im schweizerischen AKW Gösgen werden während einer Überprüfung Ventile undicht. Radioaktives Jod entweicht in die Luft
September 1999 In einem Brennelementewerk in der japanischen Stadt Tokaimura setzt nach einer unvorschriftsmässigen Befüllung eines Vorbereitungstanks eine unkontrollierte Kettenreaktion ein - statt der vorgeschriebenen 2,3 Kilogramm schütten sie 16 Kilogramm hinein.
Oktober 2000 Das umstrittene tschechische Atomkraftwerk Temelin geht ans Netz. Bis Anfang August 2006 werden von der Anlage fast 100 Störfälle gemeldet.
August 2001 Im schweizerischen AKW Leibstadt fälschten zwei Operateure Sicherheitsprotokolle. Zudem verursachen Arbeiter bei Revisionsarbeiten drei Brände. Walter Jeschki, Direktor der Aufsichtsbehörde HSK, sagte dazu: “Der Druck aufgrund der Elektrizitätsmarktöffnung oder der Kostendruck haben möglicherweise mitgewirkt, dass Arbeiten zu rasch ausgeführt oder nicht mit der nötigen Sorgfalt geplant wurden.” Leibstadt-Pressesprecher Leo Erne hingegen erachtet die Vorkommnisse nicht als gravierend: “Wo gearbeitet wird, fliegen auch Funken.”
Oktober 2001 Im schweizerischen AKW Beznau gibt die Betriebsmannschaft irrtümlich zu viel Bor ins Kühlwasser, was zu einem unerwarteten Verhalten des Reaktors führt.
Dezember 2001 Eine Wasserstoffexplosion verursacht im Atomkraftwerk Brunsbüttel einen Störfall. Der Reaktor wird erst auf auf Drängen der Kontrollbehörden im Februar 2002 zur Inspektion vom Netz genommen.
Juli 2006 Nach einem Kurzschluss wird im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark einer von drei Reaktoren automatisch von der Stromversorgung getrennt. Der Reaktor wird heruntergefahren.
Juni 2007 Die schleswig-holsteinischen Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel werden nach Zwischenfällen per Schnellabschaltung vom Netz genommen. In den folgenden Wochen gibt es immer wieder Pannen.
Juni 2008 Wegen eines Lecks im Kühlkreislauf wird der Reaktor Krsko in Slowenien abgeschaltet.
……. to be continued
Diese Liste ist nur die Spitze des Eisberges. In Atomkraftwerken kommt es regelmässig zu Störfällen, viele davon sind harmlos, doch was passiert, wenn zufällig mal zwei verschiedene Störfälle auftreten?
Ausfall der Notkühlsysteme: Vor einigen Jahren wurde (ich glaube) in Frankreich aufgrund eines Störfalls ein AKW automatisch heruntergefahren. In so einem Fall MUSS der Reaktorkern durch Kühlsysteme gekühlt werden, andernfalls droht eine Kernschmelze - der AKW Super-GAU. Das Notkühlsystem konnte nicht hochgefahren werden, also wich man auf das zweite Notkühlsystem aus, auch dieses funktionierte nicht. Erst das dritte Notkühlsystem konnte aktiviert werden und ein Super-GAU konnte verhindert werden. Es gibt AKWs - beispielsweise in der Schweiz - die nur über zwei Notkühlsysteme verfügen. Diese hätten in diesem französischen Fall ein zweites Tschernobyl gebracht.
Diese Artikel sollten uns daher ernsthaft zu denken geben:
AKW-Sicherheit – Das Lügengebäude der Atomlobby
Braucht die Schweiz ein neues AKW?
AKW Haftpflicht - nicht einmal 1 Prozent versichert
AKW Haftung - Rolf Schweiger lügt für AVES und Nuklearforum
Kinder-Krebsrate und Atomkraftwerke
BKW plant neues AKW Mühleberg
AKW-Unfall könnte über 4000 Milliarden kosten
Störfälle in europäischen Atomanlagen
Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen
Risikofaktor Mensch
Schwarze Liste von Energieorganisationen in der Schweiz
Der vergessene Schweizer Atom-GAU
June 7th, 2008 at 7:14 pm
Spannende Ausführungen. Nur frage ich mich, wieso 20min all die Unfälle in der Schweiz nicht aufgeführt hat, wie z.B. Lucens (Kernschmelze) und den Unfall im AKW Leibstadt: Am 11. August 1995, morgens um 8.22 Uhr, ereignete sich im KKW Leibstadt während der Revisionsarbeiten eine Explosion. Zwei Angestellte erlitten Verbrennungen dritten Grades. Die Monteure wollten im Maschinenhaus einen Teil der Hilfsdampfanlage überprüfen. Sie öffneten bei einem der Behälter einen Deckel, es trat Wasserstoff aus, der sich entzündete. Im Normalbetrieb befindet sich im betroffenen System Frischdampf der aus dem Reaktor kommt und demnach kontaminiert ist. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/AKW_Leibstadt abgerufen am 7.6.08).
June 8th, 2008 at 10:12 am
@Itty: danke für den Hinweis, die Frage stellt sich tatsächlich, vielleicht wollte 20 Minuten die AXPO nicht vergraulen, die ja seit Monaten mit einer millionenschweren Imagekampagne ihren Namen aufwertet, um in den bevorstehenden Atom-Debatten einen guten Namen zu haben.
Ich werde obenstehende Liste noch erweitern um die Schweizer Störfälle. Falls jemand weitere Fakten zu Schweizer AKW-Störfällen hat, nehme ich diese gerne entgegen.
June 8th, 2008 at 6:19 pm
Auf den Wikipedia-Websites der Kernkraftwerke Leibstadt und Gösgen finden sich Angaben zu diversen Störfällen. Die Liste ist noch nicht vollständig, wird aber regelmässig ergänzt. Mithilfe bei der Ergänzung ist hochwillkommen.
June 11th, 2008 at 11:43 pm
Das ist doch alles Panikmacherei. So schlimm ist es gar nicht. Stromwandler explodiert? Reaktor vom Stromnetz getrennt? Zu viel Bor im Wasser?
Wie bitte? Das ist dich nichts schlimmes. Jedes Kraftwerk hat ein Notstrom-System, bestehend aus drei bis vier Dieselgeneratoren, welches eine Kleinstadt mit Strom versorgen könnte. Ausserdem sinkt mit erhöhter Borkonzentration die Leistung und der Reaktor stellt ab.
Und so könnte man wahrscheinlich weiter machen.
All das ist im Internet nachzulesen, wenn man sich informieren möchte. Also nicht an jede Horrorgeschichte glauben.
June 12th, 2008 at 8:33 am
@Efesis: wenn Du im Internet nachliest, dann lies genau. Erstens gab es bereits Fälle in denen FÜNF Sicherheitssysteme ausstiegen, es gab einen Fall in dem erst das dritte Notstrom-System funktionierte……. und in der Schweiz haben wir AKWs die gerade mal zwei Notkühlsysteme haben.
Und wenn Du wirklich denkst, dass eine “kleine Explosion” in einem AKW kein Problem ist, dann hast Du nicht verstanden, dass ein AKW zumindest in gewissen Zonen ein Hochrisikogebiet ist.
Oder was hälst Du davon, dass im Reaktorkernmantel von Mühleberg Risse sind die etwa zwei Drittel der Mauerdicke durchdringen?
Egal was? No risk no fun?
June 12th, 2008 at 10:49 am
In einem KKW gibt es mindestens 4 Notkühlsysteme mit jeweils mehreren unabhängigen Stromversorgungen, keine Ahnung woher du die Zahl 2 hast. Um eine Kernschmelze zu verhindern (das ist das einzige gefährliche an einem KKW) reicht es wenn schon nur 1 System funktioniert.
Fakt ist, dass es seit den tragischen Ereignissen vor 22 Jahren in Tschernobyl keinen KKW Zwischenfall (mit Personenschaden) mehr gegeben hat.
An den Autor: Tokaimura war eine Wiederaufbereitungsanlage, kein KKW und gehört konsequenterweise nicht in die Aufzählung. Ausserdem wünsche ich mir, dass der populistische Begriff “Atomkraftwerk” durch den korrekten Begriff “Kernkraftwerk” ausgetauscht wird. Das will die Physik so. Die linken benutzen den Begriff gerne weil er etwas Angst macht und schnell mit einer Atombombe (eigentlich auch kein korrekter Begriff) assoziiert wird
June 12th, 2008 at 11:18 am
@Martin: Die aktuelle Anzahl Notkühlsysteme von Mühleberg weiss ich nicht, vor einigen Jahren hatten sie 2 mit je 75% Leistung. Tatsache ist, dass das AKW Mühleberg seit Beginn bis heute mit einer provisorischen Betriebsbewilligung läuft, weil eine definitive Bewilligung aufgrund mangelnder Sicherheit bis heute nicht erteilt werden konnte. Ausserdem reicht ein Notkühlsystem nur, wenn es auch läuft. Aus Erfahrung wissen wir aber, dass man sich darauf nicht verlassen kann, deshalb haben moderne AKWs 5-6 unabhängige Systeme, damit auch bei Ausfall mehrerer Systeme noch irgendwas kühlt.
Zu Deiner Terminologie: Das die Atomlobby lieber von Kernkraft als von Atomkraft redet, ist Teil einer ausgeklügelten Strategie um das Volk über den Tisch zu ziehen. Es geht hier nicht um Apfelkerne sondern um Atom. Aber Kerne klingen halt schöner, genauso wie die Gentechnologie-Szene aus Genmanipulation zuerst Gentechnologie machte und dann Biotechnologie. Aber warum soll ich diese verlogene Terminologie übernehmen, nur weil die Atomindustrie sich gerne so präsentiert?
Also nehmen nicht die Linken das Wort Atomkraft um Angst zu machen sondern die Rechten nehmen das Wort Kernkraft um die potentielle Gefahr zu verniedlichen.
June 12th, 2008 at 11:56 am
Oh nein, Kernkraft ist aus physischer Sicht korrekt und nicht wegen einer weiteren achso bösen Lobby.
Der Prozess ist die Kernspaltung. Das ist ein Prozess der Kernphysik und diese wiederum heisst so, weil es um den Kern des Atoms geht.
June 12th, 2008 at 12:07 pm
Mir ist schon klar, dass ein Atom auch einen Kern hat, hat ein Apfel auch, trotzdem spricht man von Apfelbäumen und nicht von Kernbäumen…… es sei denn, man will jemanden absichtlich verwirren.
Seltsam ist doch schon, dass die Atomindustrie früher selber von Atom redete, bis ein paar PR-Fachleute ihnen empfahlen, eine neue Terminoligie zu verwenden. Mit so Tricks hat Burson Marsteller die Gentech-Industrie beraten, wer hat wohl dieselben Tips der Atomindustrie empfohlen?
June 12th, 2008 at 1:55 pm
Es hilft nichts. Tatsache ist, dass der physisch korrekte Begriff “Kernkraftwerk” lautet.
June 12th, 2008 at 2:16 pm
@Martin: übersetz mal auf Englisch und zurück:
Kernenergie = Nuclear Power
Nuclear Power = Atomenergie
Zumindest sprachlich scheinst Du da auf dem Holzweg zu sein. Aber eben, wenn man es verniedlichen will, bleibt wohl nix anderes als aus Atom ein Kernchen zu machen, so wie man aus Gentech Bio macht, ist ja fast dasselbe
June 12th, 2008 at 2:47 pm
Eigentlich habe ich keine Lust, weil die Politiker die weit aussen politisieren (zu denen zähle ich dich jetzt einfach mal), sich meistens nicht Einsichtig zeigen und nur wenig Kompromissbereitschaft aufweisen. Aber ich sags nochmal.
Es ist Physik. Da gibt es keine Verniedlichungen. Das sind Tatsachen die man einfach akzeptieren muss. Wenn man ins Wasser springt wird man nass und wenn man vom 5-Meter Turm springt, dann sorgt sich ausnahmslos IMMER die Schwerkraft darum, dass wir unten ankommen.
Es heisst korrekt KERNKRAFTWERK. Da gibts kein Wenn und aber ^^
June 12th, 2008 at 3:09 pm
Von der Physik her geht es um Atomkerne, also wäre sowohl Atom als auch Kern gültig. Es ist doch offensichtlich, dass der Wechsel von AKW auf KKW rein psychologische Gründe hatte. Als Atomenergie vom Volk nicht mehr akzeptiert wurde und spätestens als Tschernobyl den angeblich unmöglichen Super-GAU produzierte, musste ein neues Wort her und erst dann änderte die Terminologie der Atomindustrie.
Was kommt als Nächstes? Reden wir bald anstatt von Störfällen von Unannehmlichkeiten oder besser grad von “unerwarteten Vorkommnissen”? Und anstelle von Atommüll reden wir dann auch von Kernmüll oder Entkernungsrückständen? Und falls wir eines Tages aufgrund eines Super-GAUs alle radioaktiv verseucht sind, reden wir dann von hoch-energetisierten Menschen?
Ne mein Freund, die Atomindustrie kann schöne Worte bilden wie sie will, die Risiken können damit nicht behoben sondern bestenfalls schön geredet werden. Und daran beteilige ich mich nicht, deshalb werde ich weiterhin die Sache beim Namen nennen.
June 12th, 2008 at 4:01 pm
Wenn ich kurz noch meinen Senf dazu geben darf:
In den besagten Kraftwerken werden Atomkerne gespalten. Physikalisch korrekt müsste es also Atomkernspaltkraftwerk heissen. Ob man das Ding nun als Atomkraftwerk, Kernkraftwerk, Spaltkraftwerk abkürzt, ist aus meiner Sicht alles gleich physiaklisch unpräzise. Physikalisch präzise und korrekt ist und bleibt einzig Atomkernspaltkraftwerk.
Es sei denn man betrachtet es aus Gesundheitssicht: Die Leukämiestudie aus Deutschland würde für die Abkürzung KKW sprechen, d.h. Krebskraftwerk.
June 12th, 2008 at 4:10 pm
@Lilith II: stimmt, KKW könnte also doch passen, vielleicht ist das auch eine Abkürzung für Kinder-Krebs-Weiterverbreitungsanlage
June 12th, 2008 at 5:20 pm
Der griechische Naturforscher Demokrit, der 400 Jahre v. Chr. lebte, behauptete, dass alles was wir sehen eine Ansammlung von unsichtbaren Dingen sei. Sein Schüler Epikur nannte diese unsichtbaren Dinge Atome.
Atom ist ein griechisches Wort und bedeutet: A=Nicht, tom=Schnitt. Uebersetzt ins Deutsche = Das Nicht-Schneidbare.
Fritz Strassmann und Otto Hahn haben 1938 bewiesen, dass man diese unsichtbaren Dinge (physikalisch=Kerne) doch noch schneiden oder teilen kann.
Die Bezeichnung Atomkraftwerk ist FALSCH.
Alles Klar?
June 12th, 2008 at 5:57 pm
Ich möchte gerne auch noch etwas Senf schmieren
:
Wie man aus diversen Beiträgen erkennen kann, bin auch ich nicht gerade ein Verfechter der Atom-/Kernenergie. Trotzdem muss ich MartinM recht geben.
Nicht nur die pysikalische Definition lautet richtigerweise “Kernenergie” sondern auch die sprachliche. In der Deutschen Sprache heben wir nur den für uns wichtigen Teil hervor und benutzen (vorwiegend) auch nur diesen zur Definition.
Um auf das Beispiel mit den Apfelbäumen bzw. den Kernbäumen zurückzukommen:
Wir würden diese Bäume tatsächlich Kernbäume nennen, wenn wir ausschliesslich die Apfelkerne nutzen würden. Da uns der Apfel jedoch als ganze Frucht dient, nennen wir seinen Baum eben Apfelbaum.
Ein anderes Beispiel dafür: Goldschürfer suchen nach Gold und finden Nuggets, also Gesteinsklümpchen mit Spuren von Gold. Für uns nützlich ist jedoch nur das Gold. Folglich nennen wir Gold eben auch nur “Gold” und nicht “Nuggetgold”.
Kernenergie wird durch die Spaltung eines Kerns erzeugt und nicht durch die Spaltung eines Atoms. Das wesentliche ist damit der Kern und nicht das Atom als Ganzes.
Würde man den Begriff “Atomkernspaltung” verwenden, wäre das unnötig kompliziert und könnte zu Missverständnissen führen (insbesondere bei der Übersetzung in andere Sprachen).
admins deutsch-englisch-deutsch Übersetzung hinkt denn auch gewaltig. “Nuclear power” wird mit “Nuklearkraft” oder “Nuklearenergie” übersetzt. Nur der Volksmund spricht von “Atomkraft” bzw. “Atomenergie”.
“Nuklear” ist übrigens abgeleitet aus dem lateinischen Begriff “Nucleus”, was wiederum “Kern” bedeutet und nicht “Atom” und genausowenig “Atomkern”.
June 12th, 2008 at 8:45 pm
Also folgendes:
Die von uns allen so geliebte Energie wird in einem, korrekter Weise genannten, “Kernkraftwerk” nun mal aus der “Kernbindungsenergie” gewonnen. Wenn ich das Beispiel mit dem Obst nehme, würde ich lieber eine Kokosnuss bevorzugen. Um die Schale zu spalten braucht es viel Energie, der Kern hat es jedoch in sich. In der Kernenergie sind die Kerne die Energielieferanten und nichts Anderes. Keine Elektronen die in der Schale herumfliegen. Deshalb: Kernenergie.
Beim Apfel heisst es Apfelbaum weil wir keine Kerne essen.
June 12th, 2008 at 8:51 pm
Das Kraftwerk Mühleberg wird von der NOK ständig überwacht. Es werden Messungen am Druckbehälter vorgenommen. Ich muss zugeben, dass ich auch der Meinung bin, dass das Kraftwerk ausgedient hat. Aber ich vertrau mal der Kontrollbehörde. Schließlich vertraue ich auch meinem Werkstattmeister wenn es um meine Bremse geht, sonst könnte ich vor lauter Angst nicht ins Auto steigen.
June 12th, 2008 at 9:20 pm
Zum Thema Notkühlsysteme:
Die in der Schweiz verwendeten Kernkraftwerkstypen, Druckwasser- und Siedewasserreaktoren, haben die Eigenschaft, dass sie sich auch bei einem kompletten Ausfall aller Kühlsysteme selbstständig kühlen oder zumindest die Temperatur konstant halten können solange die Leistung sich unterhalb der 50% Grenze befindet. Dies beruht auf Naturgesetzen und nennt sich Naturumlauf. d.h. das heisse Wasser steigt nach oben, kühlt oben ab und sinkt wieder. Ausserdem: meine Recherchen haben ergeben, dass das Kraftwerk Leibstadt mindestens 3 Notkühlsysteme hat wovon alle redundant ausgelegt sind. Das ergibt zusammen mind. 6 Systeme. Die nur einspringen mussen wenn die alle 3 Speisepumpen ausfallen. Somit währen wir bei mindestens 9. Dazu kommen 2 Umwälzpumpen die den Naturumlauf verstärken = mind.11. Und es gibt vlt. noch Systeme von welchen ich gar nicht weiss. Seit Tschernobyl hat sich vieles geändert. Ich würde jedem empfehlen in ein Informationszentrum des Kernkraftwerks in der Nähe zu gehen und sich zu informieren. Ich fand es sehr interessant.
June 12th, 2008 at 9:43 pm
@Frederik: Atom heisst also nicht schneidbar, ist aber schneidbar. Folglich müsste man es konsequenterweise sofort abschaffen. Genauso wie das Wort Atomkern. Interessanterweise scheint das nicht zur Diskussion zu stehen. Das Wort Atom soll nur in der Zusammensetzung Atomenergie abschaffenswürdig zu sein…
@DOE: Sprachen sind Annäherungsversuche an die Wirklichkeit, sie widerspiegeln die Wahrnehmung der Umwelt durch verschiedene Kulturen. So haben z.B. die Inuit x Wörter für Schnee je nachdem wie er ausgeformt ist. In Deutsch gibt es zwei Wörter für die Energieform die durch Atomkernspaltung entsteht: Atomenergie und Kernenergie. Sie haben verschiedene Konnotationen (d.h. mensch denkt an verschiedene Dinge wenn er/sie sie hört). Im Englischen gibt es nur ein Wort, das umfasst alle Konnotationen der beiden deutschen Wörter.
Nuclear energy wird also wenn es sich um eine Axpo-Werbebroschüre handelt mit Kernenergie übersetzt, wenn es sich um einen atomkritischen Beitrag handelt mit Atomenergie übersetzt.
Insgesamt ist es sprachlich gesehen relativ unbedeutend für die Mehrheit der Menschen die sie nutzen welche griechische, lateinische oder sonstige Wurzel irgendein Wort hat. Wenn ich einen Text übersetze bringt es mir überhaupt nichts, dass es im Wörterbuch so oder so definiert wird, wenn ich genau weiss, dass die Leute die den Text lesen es völlig anders verstehen. Da kann ich lang aufs Wörterbuch pochen um zu beweisen, dass ich im Recht bin, meine übersetzung ist schlicht und einfach falsch.
Insofern ist für mich auch jeglich Diskussion darüber ob es nun korrekterweise Atomenergie oder Kernenergie heisst eine etwas müssige Diskussion. Sprache ist nicht korrekt und schon gar nicht logisch. Sprache widerspiegelt Kultur und Einstellungen. Sie ist oft äusserst unlogisch, da nützen die besten Physik- und Linguistikbücher nichts.
Ein Beispiel: Auf Französisch heissen sowohl das Mobiltelephon als auch der Laptop “portable”. Da kann man lang mit Logik kommen und die Leute verfluchen und etwas anderes einführen wollen. Es ist einfach so.
Und es ist einfach auch so, dass es im Deutschen zwei Begriffe gibt: Atomenergie und Kernenergie und dass der Begriff Kernenergie immer wieder dazu verwendet wird, das Gefühl zu verbreiten, dass die GegnerInnen der Atomkraft nicht wissenschaftlich sind und keine Ahnung haben, indem man mit x wissenschaftlichen Argumenten um sich wirft. Genau darum habe ich mich auch in die Diskussion eingemischt und die Atomkernspaltungswerke erfunden: Weil es überhaupt nicht um das Wort geht, sondern um ganz was anderes.
Insofern kann ich gerne noch einige weitere linguistische oder wissenschaftliche Argumente liefern, da ich zu beidem die Ausbildung habe und es mir auch lustig finde, aber im Endeffekt finde ich es v.a. toll, dass durch diese Diskussion ein neues Wort für die Abkürzung KKW gefunden wurde
June 12th, 2008 at 11:09 pm
Vielleicht müssten wir den Atomlobbyisten einfach alles nachmachen, reden wir doch in Zukunft über Kernbomben anstatt Atombomben (physikalisch korrekt), dann merken die Leute früher oder später auch, dass es sich beim Kern noch immer um das gute alte Atom handelt.
Apropos Atom, wie lange ist die Halbwertszeit von atomwaffenfähigem Plutonium? Oder heisst Plutonium nun Platanium damit es etwas natürlicher klingt?
Reden wir doch nicht um den Brei rum. Die Atomindustrie hat sich selbst als Atomindustrie bezeichnet, AKWs waren Atomkraftwerke, das konnte jeder verstehen…….. und genau das war das Problem. Deshalb haben findige PR-Fachleute eine neue Terminologie ins Spiel gebracht. Reden wir über Chancen anstatt Risiken, über Kerne anstatt Atome, irgendwann ist alles soweit banalisiert, dass wir nicht mehr zwischen Atommüll und Kompost unterscheiden. Dann ist es Zeit für ein neues AKW.
@Efesis: das AKW Mühleberg ist bewacht? Deshalb läuft es auch ohne Betriebsbewilligung, oder? Geh mal aufs Strassenverkehrsamt mit einem Auto, das nicht den heutigen Sicherheitsnormen entspricht. Sag dann, dass Du es irgendwann nachrüsten wirst. Was meinst Du, wieviele Jahre wirst Du mit Deinem Schrottauto noch fahren dürfen? Richtig, keinen Tag! Aber der Schrottreaktor Mühleberg läuft seit Jahrzehnten obwohl Mühleberg bis heute nicht einen einzigen Tag die Sicherheitsnormen erfüllt hat.
Aber das ist für uns Schweizer ja kein Problem, wenns chlöpft, dann heissts einfach: Gring ache u secklä…………. aber wohin?
June 12th, 2008 at 11:53 pm
Alles Gute lässt sich auch zum Schlechten verwenden. Der Verbrennungsmotor den du zuhause hast lässt sich in einen Panzer einbauen. Die Medizin in deiner Hausapotheke lässt sich möglicherweise zu Drogen verarbeiten. Über das Internet können sich Kinderpornos verbreiten.
Das man aber mit der Kernenergie Krankheiten heilen kann, das sagt keiner. Was ist mit Röntgen und Strahlentherapie?
Ja, das Kraftwerk wird bewacht und überwacht. Und zwar von der HSK. Bei jeder Revision überprüft die HSK ob ein sicherer Betrieb gewährleistet werden kann.
Zum Thema Strahlung noch der folgende Link:
http://de.wikipedia.org/wiki/Strahlenbelastung
June 13th, 2008 at 12:02 pm
@Efesis: Du vergleichst allen Ernstes ein AKW mit einem Röntgengerät? Das haut mich jetzt aber vom Hocker. Wie muss ich mir eine Kernschmelze in einem Röntgengerät vorstellen?
Ja die HSK überprüft jährlich die Vorkommnisse in den Schweizer AKWs, aber was hilft das, wenn mal wieder Sicherheitsventile offen bleiben weil ein Arbeiter vergessen hat sie zu schliessen und dann ein Störfall auftritt? Dann können wir uns die HSK-Gutachten Ende Jahr sparen, die Folgen spüren wir einiges vorher.
June 13th, 2008 at 12:23 pm
2 LilithII:
Auch das Englische kennt – entgegen Deiner Behauptung, es gäbe nur eine einzige Konnotation – verschiedene Bezeichnungen für Kernenergie. Genau wie im Deutschen gibt es auch dort eine Umgangssprache. Man kennt also nicht nur “nuclear power” sondern auch “atomic power” oder “atomic energy” und selten auch “tomic energy”.
Aber das brauche ich Dir natürlich nicht zu erklären, da Du es dank Deiner Ausbildung sicher besser weisst. Du hast es nur vergessen zu erwähnen.
Wissenschaftliche/linguistische Ausbildung hin oder her (auch ich könnte prahlen, nur sehe ich keinen Sinn darin), der Mythos mit den x Wörtern für Schnee im Wortschatz der Inuit wird zwar häufig erwähnt, entspricht aber nicht der Tatsache (er ist unter den Linguisten sogar zu einer Art “internem Witz” geworden). Nur weil Eskimos im Schnee leben, müssen sie nicht unbedingt mehr Wörter oder Bezeichnungen dafür kennen als wir. Da hast Du die falschen Schlüsse gezogen. Auch sie sprechen nur von weichem, flockigem, hartem, gefrorenem, schmutzigem, weissem und anderem Schnee; von Pulverschnee, Nassschnee, Schneebrett, Schneefall, Schneeflocken usw. ( http://www.t-online.ch/c/32/64/25/3264250.html oder http://www.zeit.de/2002/50/geniessen oder http://de.wikipedia.org/wiki/Eskimo-W%C3%B6rter_f%C3%BCr_Schnee )
Deutsch ist keine sehr weit entwickelte Sprache und kennt nicht für alles ein eigenes Wort. Daher werden auch häufig Fremdwörter oder zusammengesetzte Wörter zur näheren Beschreibung/Bezeichnung verwendet. Ob in einer Sprache von “gefrorenem Wasser” und in einer anderen von “Eis” gesprochen wird, ist unwesentlich, da beide dasselbe meinen.
Aber was schreibe ich denn da; bei Deiner Bildung ist Dir das sicher nicht fremd.
Es ist die Umgangssprache, welche die eigentlich unmissverständlichen Begriffe nicht dafür verwenden will, wofür sie stehen.
Als Beispiele dazu:
- Wenn Angela Merkel oder auch Pascal Couchepin von einem Quantensprung in der Sozialpolitik sprechen, so denken sie an riesige Fortschritte mit positiver Entwicklung.
Ein Quantensprung bedeutet jedoch eine kleinstmögliche Zustandsänderung, meistens zudem noch von einem höherwertigen Zustand in einen tieferwertigen.
- Wenn der Volksmund von Platzangst spricht, so denkt er an die panische Angst, in engen Räumen ersticken zu können (Raumangst oder Klaustrophobie).
Platzangst bedeutet jedoch die Angst vor riesigen (öffentlichen) Räumen und Plätzen oder weiten, offenen Ebenen (Agoraphobie).
Natürlich gibt es dann auch noch die politisch/ideologisch gefärbten Begriffsbezeichnungen, zu denen Du auch die Atom-/Kernenergie zählst. Hier werden aber meistens klare Begriffe mit ausschweifenden Umschreibungen verwässert. So wurde aus dem “Arbeitsamt” das “Institut für Arbeit” bzw. die “regionalen Arbeitsvermittlungszentren” in der Schweiz. “Arbeitsamt” wird eben mit “Arbeitslosigkeit” assoziert, während uns das “Institut für Arbeit” eine arbeitsstellenschaffende Institution suggerieren will.
Ein “Arbeitsvermittlungszentrum” redet den Menschen ein, sie bekämen dort vorhandene Arbeit vermittelt. Niemals käme man auf den Gedanken, dass dort nur die Stellensuchenden überwacht und kontrolliert werden, ob sie denn auch wirklich aktiv eine Arbeit suchen.
Zurück zum Thema:
Kein Atom ist spaltbar, nur der Kern einiger weniger instabiler (= radioaktiver) Isotopen ist es. Könnte man Atome spalten, dann hätten wir schon lange den Alchimistentraum “Quecksilber in Gold zu verwandeln” verwirklicht.
Da Atome nicht spaltbar sind, wird auch nicht daraus Energie gewonnen sondern aus der Spaltung ihres Kerns.
Aber auch das weisst Du sicherlich. Trotzdem verwendest Du lieber den “falschen” Begriff, da Du ihn ja nicht bezeichnend sondern suggerierend einsetzen willst.
June 13th, 2008 at 1:04 pm
@admin: Atombombe ist auch kein korrekter Begriff. Aber Kernbombe ist. wie du gesagt hast ebenfalls quatsch. Man nennt (ugs.) Atombomben korrekterweise Kernwaffen. Und das hat immer noch nichts mit Lobbies zu tun, auch wenn du (und viele Kernkraftgegner auch) das nicht glauben kannst/willst.
Das mit Platanium war hoffentlich ein Witz -.-
Über das STVA solltest du mal mit meinem Grossvater reden. Dem sein Auto ist absolut gefährlich für den Strassenverkehr. Und ich meine Absolut. Das ist eine Rostlaube. Aber eine Rostlaube mit STVA-Siegel.
Das KKW Mühleberg hat übrigens eine Betriebsbewilligung bis 2012!
Das Problem liegt auf keinen Fall bei den KKWs selbst. Die sind so abgesichert. Es ist praktisch unmöglich dass da was passieren kann. Unser Problem ist und wird weiterhin die Lagerung von den gebrauchten Brennstäben sein. Mittelfristig müssen wir auf alternative Energien setzen um langfristig auf KKWs verzichten zu können. Bis dahin sollten KKWs benutzt und auch gebaut werden. Die Linke und die Grünen sollten, anstatt sich erbittert mit aller Kraft gegen KKWs zu wehren, lieber um Alternativ-Energien kümmern, um später ein Kernkraftwerk überflüssig machen zu können.
Mal ehrlich, kein Kernkraft-Beführworter würde nur noch eine Stimme bekommen wenn ein Solar-, Wind- etc Kraftwerk so effizient ist wie ein KKW.
Also Bildlich gesprochen: Anstatt sich jetzt zu bekriegen und stetig Geld dafür auszugeben, investieren wir das Geld lieber in die Entwicklung eine Wunderwaffe die den Krieg alleine gewinnen kann. Es ist der Pure Stolz der Links- und Grünparteien für diese Phase nicht “unten durch” zu wollen. Aber man muss das auf sich nehmen um den Krieg zu gewinnen.
June 13th, 2008 at 1:44 pm
@Martin:
Das mit dem Platanium war kein Witz sondern einfach Zynismus. Wenn man schon alles radioaktive verniedlichen will, warum dann nicht auch so
Das AKW Mühleberg hat seit Beginn nur eine provisorische Bewilligung, die ständig verlängert wird, weil es für eine definitive Bewilligung nicht reicht.
Was das STVA anbelangt, wenn Du ein Fahrzeug vorführst und es hat Sicherheitsmängel, z.b. unzureichende Bremsen, dann wirst Du kaum eine provisorische Bewilligung bekommen.
Dass ein AKW-Unfall praktisch unmöglich ist, ist nun wirklich Bockmist. Es mag theoretisch unmöglich sein, aber praktisch ist es bereits zwei Mal passiert. Und wenn man bedenkt, wieviele “Störfälle” es gibt, dann ist es m.E. nur eine Frage der Zeit, bis eine Aneinanderreihung von Störfällen zu einem richtigen Unfall führen.
Wenn mich nicht alles täuscht, war es in Leibstadt so, dass mal ca 2 Wochen lang Sicherheitsventile offen waren. Wenn zuuuuufällig in dieser Zeit etwas passiert wäre, was dann? Ich halte es einfach für blauäugig zu glauben, dass immer nur ein Fehlerchen aufs Mal passieren kann.
June 13th, 2008 at 2:09 pm
Man unterscheidet zwischen befristeter und unbefristeter Bewilligung. Alle Schweizer KKWs haben eine unbefristete Bewilligung, ausser Mühleberg welches eine befristete (bis 2012) hat. Damit hat definitiv jedes Kraftwerk eine definitive Bewilligung. Mühleberg halt nur bis 2012. Aber es ist eine definitibe Betriebsbewilligung.
Ich formuliere es anders: Eine Kernschmelze ist bei einem KKW mit heute gültiger Betriebsbewilligung praktisch (Theoretisch unmöglich ist es nicht. Theoretisch gibt es eine enorm!!! kleine Warscheinlichkeit, dass eine Kernschmelze stattfindet.) unmöglich.
In Störfälle sollte ausserdem man nicht zuviel hineininterpretieren. Denn eigentlich zeigt das nur, dass die Sicherheit trotz menschlichen und teils technischen Fehlern, gewährleistet ist. Und überhaupt, wirklich gefährlich ist nur eine Kernschmelze.
June 13th, 2008 at 2:26 pm
@Martin, Du verdrehst die Fakten. Wenn man X mal hintereinander aufgrund von fehlenden Sicherheitsnachweisen nur eine provisorische Bewilligung bekommt, dann ist diese nicht plötzlich definitiv, nur weil der Schrottreaktor bis an sein Lebensende immer wieder neue provisorische Bewilligungen bekommt. Es ist einfach ein Armutszeugnis, sowohl für das AKW Mühleberg als auch für die Bundesbehörden, die so grobfahrlässig handeln.
Nun zu Deinen Vorstellungen eines sicheren AKW-Betriebes:
Du gehst von Wahrscheinlichkeitsrechnungen aus, aber die sind reine Theorie.
Sind wir uns einig, dass ein AKW nach einer Notabschaltung durch ein Notkühlsystem gekühlt werden muss um eine Kernschmelze zu verhindern?
Sind wir uns auch einig, dass ein Notkühlsystem versagen kann?
Wenn ein Kühlsystem versagen kann, kann auch ein Zweites versagen - Wahrscheinlichkeit hin oder her, oder?
Und wir sind uns auch einig, dass Sicherheitsventile versehentlich offen sein können?
Ich denke, bis hierhin gibt es nichts zu leugnen, oder?
Nehmen wir also an, es kommt zu einer Notabschaltung und zufällig sind auch noch Sicherheitsventile offen. Nun reagiert das erste Notkühlsystem nicht, dann geht auch das zweite nicht…… wer ausser einer Wahrscheinlichkeitsrechnung garantiert uns, dass das dritte Notkühlsystem garantiert einsetzt?
Ein AKW kann bestenfalls “mit höchster Wahrscheinlichkeit” sicher sein, aber absolute Sicherheit gibt es nicht und genau das macht mir Sorgen.
June 13th, 2008 at 2:54 pm
Das garantiert niemand. Darum gibt es das theoretisch Restrisiko. Aber das nur schon ein System ausfällt ist ein recht geringes Risiko. Und dann auch noch das zweite plus irgendwelche Systeme. Und nun geht die Wahrscheinlichkeit seeeehr weit runter und das dritte System fällt auch aus.
und dann soll noch das vierte System ausfallen? Ich weiss nicht… das ist unglaublich unwarscheinlich. Und dann haben die meisten KKWs sogar mehr als 4 Systeme.
Dir und den anderen KKW-Gegnern gehts schon lange nur noch um die wenigen verbleibenden Öko-Egal-zu-welchem-Preis-Wähler an der Stange zu halten. Ihr fühlt euch moralisch überlegen weil ihr das Gefühl habt ihr vertretet die Natur. Doch unsere Welt besteht nun mal nicht nur aus Natur. Nur diese Kompnenten seht ihr einfach nicht. Selbst 100′000 Notfallsysteme würden euch nicht reichen.
June 13th, 2008 at 2:57 pm
@DOE Tut mir leid wenn der Hinweis auf die linguistische und wissenschaftliche Ausbildung prahlend rüberkommt, so war’s nicht gemeint, ich wollte nur klarstellen, dass Menschen die nicht den Begriff Kernenergie verwenden nicht automatisch nichts von Wisschenschaft verstehen oder von Sprache.
Übrigens erzählst Du durchaus Neues in Deinem KOmmentar und es irritiert mich etwas, dass dann wiederholt steht, da erzähle ich Dir nichts Neues. Nochmal: Ich bin nicht all wissend und sage nur meine Meinung, die gerne auf humoristische Weise.
Atomic energy: Das finde ich ja superspannend, hatte ich doch glatt vergessen das es denn Begriff gibt- danke für den Hinweis. Denn ich stelle fest, dass die INterantionale Atomenergieorganisation, die International Atomic Energy AGency, ganz offenischtlich ein völlig unwissenschaftlicher Verein ist, zumindest was die Namensgebung betrifft. Wenn mir jemand erklären kann warum ein also eindeutig nicht atomkritischer Verein das Wort Atomenergie verwendet bin ich also sehr dankbar.
Ansonsten verabschiede ich mich aus der Diskussion, da ich demnächst mich nun ihn internetlose gefilde begebe, wie es sich für meine Spezies gehört und nur sehr sehr unregelmässig internetzugang haben werde vorläufig.
June 13th, 2008 at 3:57 pm
Ja das ist richtig. Diese Organisation hat nur einen Halb-Korrekten Namen
Wieso gehört es sich für uns, das Internet nicht zu nutzen? Ist das was unanständiges, gar gefährliches?
June 13th, 2008 at 5:29 pm
2 lilithII:
Entschuldigung angenommen!
Möglicherweise verwendet die IAEA in ihrem Namen “atomic” nur, weil sie nicht alleine die Aufsicht über die Kernenergie hat sondern auch über Kernwaffen und ganz allgemein radioaktive Substanzen. Bei letzteren sind ja nicht nur die Kerne bzw. die durch Kernspaltung erzeugte Energie von Bedeutung sondern das Atom als Ganzes.
Vielleicht aber ist die IAEA, ähnlich wie das IPCC, eben tatsächlich keine richtige wissenschaftliche Organisation sondern nur eine Verwaltung, die bei Bedarf selektiv Wissenschaftler anheuert oder diese um Rat bittet.
Beides sind reine Mutmassungen.
June 13th, 2008 at 6:06 pm
Ich frag mich welche Gründe ihr gegen die Kernenergie haben werdet, wenn in wenigen Jahren durch die “Transmutation” die radioaktiven Abfallprodukte auf eine Halbwertszeit von nur wenigen Jahren, Tagen, Stunden oder sogar Minuten (z.B. bei Iod-129) gebracht werden? Oder wenn es möglich sein wird die Abfälle günstig und sicher zur Sonne zu schiessen? Oder wenn nur noch die “inhärent sicheren Reaktoren” gebaut werden? Seit ihr dann wenigstens glücklich? Oder heisst es dann: “Was ist, wenn ein Meteorit über dem Kraftwerk abstützt?”.
June 13th, 2008 at 6:51 pm
@Efesis: Ich kann nur für mich sprechen, wenn ein AKW gebaut werden kann, das beim Katastrophenfall keine grossflächige Verseuchung verursacht und wenn Atommüll sauber entsorgt werden kann, dann habe ich kein Problem damit.
Aber solange ein Restrisiko bleibt, dass die halbe Schweiz für lange Zeit nicht mehr bewohnbar ist, dann halte ich Atomenergie für eine Hochrisikotechnologie, mag die Eintretenswahrscheinlichkeit noch so klein sein. Immerhin reden wir nicht über hypothetische Risiken, nach den Reaktorkatastrophen von Harrisburg und Tschernobyl wissen wir, dass ein AKW-Unfall möglich ist und extreme Folgen haben kann.
Auf den Meteorit pfeiffe ich, ich bin nur schon froh, wenn atomare Anlagen gegen Flugzeugabstürze gesichert sind, nicht wie beim atomaren Zwischenlager ZWILAG.
June 16th, 2008 at 3:19 pm
Bei einem Meteoriteneinschlag werd ich wohl andere Sorgen als das KKW haben
June 19th, 2008 at 2:08 pm
Ein paar sehr gute Berichte für die, die es interessiert:
http://gabe.web.psi.ch/pdfs/Energiespiegel_13d.pdf
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,522804,00.html
Würde mich über Rückmeldungen freuen.
June 26th, 2008 at 1:29 pm
[…] geringste Gefahr vorhanden. Nichts passiert? Three mile Island und Tschernobyl sind NICHTS? AKW Unfälle - AKW Störfälle BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland: Detail[tt_news]=203&tx_ttnews[backPid]=447 aaa […]
July 5th, 2008 at 12:27 am
[…] RainbowNet: AKW-Störfälle und AKW-Unfälle RainbowNet: AKW Haftpflicht - nicht einmal 1 Prozent versichert RainbowNet: Ist Atomenergie CO2-frei? […]
August 5th, 2008 at 10:28 pm
“MartinM. : Fakt ist, dass es seit den tragischen Ereignissen vor 22 Jahren in Tschernobyl keinen KKW Zwischenfall (mit Personenschaden) mehr gegeben hat.”
Was wohl ein glatte Lüge ist.
Infolge von Tschernobyl gibt es jetzt immer noch “Personenschäden”
http://209.85.135.104/search?q=cache:IW9sswNXnvMJ:www.pro-ost.com/downloads/tschernobyl-reportage_kay.pdf+Mitarbeiter+verstrahlt&hl=de&ct=clnk&cd=44&gl=ch&client=firefox-a
Infolge der Wiederaufbereitungslage Sellafield wo auch die Schweizer Atomkraftwerke ihre Brennstäbe zum angeblichen Recycling schicken sind riesige Gebiete im Umkreis radioaktiv verseucht.
Kinderleukämie ist in der Umgebung des Werkes zehnmal so hoch wie im britischen Durchschnitt, Krebs bei Erwachsenen um das dreifache häufiger.
https://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=4626
Dass die Atomlobby sogar Rainbownet ihre Copywriter an den Hals hetzt, ist zeichen dafür das sie gewillt ist Exxon-mässig vorzugehen.
October 10th, 2008 at 1:17 pm
[…] Pannen und Störungen in Schweizer AKW, ungeachtet des nicht abstreitbaren Risikos eines AKW-Unfalls und ungeachtet der nachwievor nur in feuchten Träumen gelösten Endlagerung von hochgiftigen […]
November 4th, 2008 at 5:08 pm
Wahnsinn - drei Viertel dieser Seiten ergiessen sich Hasstiraden und populistische und pseudowissenschaftliche Streitereine über den Begriff Atomblabla vs. Kernblabla.
Wenn die Atom-/Kernenergiegegnerschaft keine grösseren Prbleme hat als sich seiten- und stundenlang über Begiffe zu streiten, dann haben wir ja wirklich kein Problem.
Zudem zeigt es, dass die Atom-/Kernenergiegegnerschaft nicht mal bezüglich Begriffen kompromissfähig ist. Also genau so radikalisiert wie religiöse Fanatiker. Und das soll die Basis für einen Austausch, für Diskussion, für Demokratie sein?
Unter diesen Voraussetzungen zweifle ich an jeglicher Zukunftsperspektive. Wenn wir einander schon über Begriffe die Köpfe einschlagen - wie wollen wir dann gemeinsam Probleme lösen? Ich rede von gemeinsam und Probleme lösen - und nicht von Recht haben.
November 6th, 2008 at 2:14 am
@Martin M: Lilith II beschreibt die Dinge aus Kuhsicht, und eine Kuh gehört im Sommer auf die Alm und nicht ans Internet
@DoE: Ich war letztens beim Atomic Weapons Establishment in Aldermaston, England, dort werden laut Name ganz offensichtlich atomic weapons gebaut und nicht nuclear weapons. Sensibilisiert durch die obige Diskussion frage ich mich nun warum dem so ist. Weiss das irgendwer?
@think: Ich bin sehr verwirrt. Könntest Du mir bitte konkret Beispiele für Hasstiraden auf dieser Seite nennen? Und weswegen sind denn Diskussionen über Begriffe für Dich automatisch Streitereien? Für mich ist es ein spannender Meinungsaustausch.
Was mich ärgert an Deinem Kommentar ist, sind folgende 2 Passagen:
“Wenn die Atom-/Kernenergiegegnerschaft keine grösseren Prbleme hat als sich seiten- und stundenlang über Begiffe zu streiten, dann haben wir ja wirklich kein Problem.”
“Zudem zeigt es, dass die Atom-/Kernenergiegegnerschaft nicht mal bezüglich Begriffen kompromissfähig ist. Also genau so radikalisiert wie religiöse Fanatiker.”
Sorry, aber auch wenn Du die Diskussion oben als Streit und nicht als Diskussion empfindest, dann sind daran eindeutig zwei Seiten beteiligt und die Begriffe sind ganz offensichtlich beiden Seiten wichtig, sonst würden sie ja nicht darüber so ausführlich diskutieren. D.h. Deine Schlussfolgerungen - denen ich im Übrigen nicht zustimme - betreffen logischerweise alle die an diesem Forum ihre Meinung abgegeben haben und nicht nur eine Seite.
Ich würde Dich bitten in Zukunft konkret auf gepostete Beiträge einzugehen und Deine Meinung dazu zu äussern.