Atomenergie CO2-frei?
Die Atomindustrie und ihre bürgerlichen Lakaien im Parlament werden nicht müde, uns die Lüge von der CO2-freien Atomenergie zu erzählen. Wie das kritische Magazin Zeitpunkt in ihrer neusten Ausgabe aufzeigt, ist genau das Gegenteil der Fall. Schon im Februar berichtete der Blick darüber, dass die Atomindustrie uns diesbezüglich Sand in die Augen wirft.
Beim Betrieb eines AKW wird zwar tatsächlich wenig CO2 produziert, aber dafür wird bei der Urananreicherung und schlussendlich auch der Endlagerung eine Unmenge an CO2 produziert. Vorallem die Urananreicherung ist ein extrem energieraubender Vorgang.
Unter dem Strich kann man sagen, dass Atomenergie etwa doppelt soviel CO2 produziert wie Wasserkraft.
Warum unsere ach-so-gescheiten Politiker noch immer die Lüge vom CO2-freien Atomstrom verbreiten, lässt sich wohl einzig dadurch erkären, dass ein Grossteil unserer Politiker Mitglieder von Atomlobbyorganisationen sind.
Allein der AVES (Aktion ‘vernünftige’ Energiepolitik Schweiz) gehören über 70 Parlamentarier an, grösstenteils von SVP und FDP. Dass sie deren Interessen vertreten ist offensichtlich, aber wer vertritt dann noch unsere Interessen?
Quellen und Weiterführendes:
UNEP-Bericht: Investitionsboom in Erneuerbare Energien - Alternative zu Atomenergie
Greenpace-Dossier: Die unverschämten Legenden der AKW-Lobby
Schwarze Liste von Energieorganisationen in der Schweiz
Zeitpunkt-Bericht: Neue Studie belegt: Atomkraft ist nicht CO2-frei
Blick-Bericht: Wie CO2-frei sind die AKW’s wirklich?
RainbowNet: Atomendlager - Lager ohne Ende?
AKW-Sicherheit – Das Lügengebäude der Atomlobby
Braucht die Schweiz ein neues AKW?
May 16th, 2007 at 6:55 pm
Man muss immer überlegen, welcher Prozess der Energieproduktion als CO2-frei verkauft werden soll. Bei Atomenergieanlagen ist es z.B. so:
1. Die Erstellung der Anlagen ist es nicht.
2. Die Gewinnung des Rohstoffes und Transport zur Energieerzeugenden Anlage ist es auch nicht
3. Die eigentliche Gewinnung der Energie ist es allerdings. Ein AKW generiert kein CO2, wenn es Strom produziert, und die Abwärme kann weiterverwendet werden.
4. Die Entsorgung ist auch nicht CO2-frei (das ist ein bei Atomenergie aber entgegen geltender Lehrmeinung gelöstes Probleme, siehe Kapitel ‘Wiederaufbereitung’ und ‘Schneller Brüter’, anstatt zum Grossteil noch brauchbare Brennstäbe hirnlos einzulagern, damit wir sie höchstwahrscheinlich in Zukunft wieder aus dem Glas herauskratzen können).
Das Problem mit den sog. ‘erneuerbaren Energien’ ist aber ein bisschen anders gelagert:
- Solarenergie ist im Moment zu wenig effizient. Es soll zwar besser werden, das ist aber mit Wartezeit verbunden, insbesondere auf der Nordhalbkugel
- Wasserkraftwerke gibts nicht unbegrenzt, weils nicht unbegrenz staubare Resourcen hat - und will mal jemand eine Staumauer erhöhen, stimmen meist Rot & Grün gleich ein Riesengeheul an.
- Windräder - wer überall Rotoren haben will? Ich nicht unbedingt.
- Geothermie ist auch nicht überall zu vertretbaren Kosten möglich
Will man keine Gas- und Kohlenkraftwerke, bleibt für die Grundlast und zukünfter massiver Energiebedarf (z.B. grossflächige Verwendung von Elekroheizungen und H2-Gewinnung für Fahrzeuge über Elektrolyse kein anderer Weg als Atomkraft. Ein weiterer Vorteil ist, dass Uran, sofern es wiederverwertet wird, weitaus länger als Öl hält, und aus politisch vergleichsweise stabilen Gegenden kommt.
Man muss nur mal agieren, und nicht immer ‘lieb’ den Konsens suchen, sonst kommt man nirgendwohin. Es braucht ein Endlager genauso wie fünf NEUE AKWs in der Schweiz, plus ein bis zwei weitere Kraftwerke für den Fall, dass wir H2 aus Hydrolyse gewinnen müssen, weil das Öl zu teuer wird. Wer heute nicht plant, geht in 15 Jahren zu Fuss und sehnt sich im Winter nach einer warmen Stube.
May 17th, 2007 at 6:21 pm
schön und recht, bloss sinken die anreize in erneuerbare energien zu investieren und energie zu sparen, wenn jetzt neue akw’s gebaut werden. wieso sollte jemand geld in erneuerbare energien stecken, wenn akw’s weiter billigstrom produzieren dürfen? die akw diskussion verhindert daher innovationen und somit auch neue jobs. so wie’s ausschaut verpennt die schweizer wirtschaft einmal mehr einen trend. im silicon valley fliessen bereits milliarden von privaten investoren in die forschung für neue energieformen, das gleiche geschieht in deutschland (teils durch den staat) mit der wind- und vor allem solarenergie. warum wohl? dort ist der akw-ausstieg beschlossene sache und daher bleibt gar nichts anderes übrig als fleissig die effizienz von alternativen energieformen zu erhöhen.
übrigens: in der schweizer politik werden kompromisse gesucht und nicht der konsens. es gelten die mehrheitsentscheide und ob auch nur ein neues akw mehrheitsfähig ist, ist zumindest fraglich.
May 18th, 2007 at 11:05 am
Die Idee mit 7 neuen AKWs könnte echt aus einem dieser lustigen Axpo-Werbespots kommen. Aber Spass beiseite. Wenn man ganz schweizerisch-föderalistisch dezentral denkt, dann gibt es genug Lösungen. Ich beispielsweise beziehe Strom aus dem “Dorfbach” und bezahle dafür keine grossen Summen. Kleinkraftwerde wären ein wichtiger Ansatz und erneuerbare Energien wie Sonnenenergie werden automatisch preiswerter, wenn man all die Millionen investiert, die bisher in Atomtechnologie investiert wurde.
Wie dem auch sei, Grundaussage des Blogs war, dass die Atomlobbyisten uns anlügen wenn sie von CO2-freiem Atomstrom reden. Sollte uns das nicht irgendwie zu denken geben?
May 26th, 2007 at 5:38 pm
Wir sprechen in der Regel von der CO2-armen Atomenergie. Wer andere der Lüge bezichtigt, sollte nicht selber lügen. Wirkt irgendwie unglaubwürdig…
May 27th, 2007 at 11:32 am
@Hürlimann
1. spricht die Atomlobby mit penetranter Regelmässigkeit von CO2-FREIER Atomenergie
2. wäre auch der Ausdruck CO2-arme Atomenergie eine Lüge, wenn auch eine Kleinere.
3. Wer andere der Lüge bezichtigt, weil diese Lügen Anderer aufdecken, dann sollte man nicht noch mehr lügen um diese Aufdeckung zu verniedlichen.
October 13th, 2007 at 1:28 am
[…] Atomenergie soll der CO2-Reduktion dienen (obwohl Atomenergie doppelt soviel CO2 verursacht wie Wasserkraft), Gentechnologie soll helfen den Gifteinsatz in der Landwirtschaft zu begrenzen (obwohl die meisten Gentech-Pflanzen genau gegen Spritzgift immunisiert sind und damit dem Gifteinsatz Tür und Tor öffnen)….. alles in allem eine nette Predigt wie man sie von Atom- und Gentech-Lobbyisten täglich irgendwo lesen kann. […]
November 6th, 2007 at 7:53 pm
[…] Planung für neue AKW hat begonnen 20min: Neues Kernkraftwerk in Planung Bund.net: Gefahrenquelle Atomkraftwerk Mühleberg Geri Müller: Die Lücke im Kopf SES: Die Stromlücke ist ein Gespenst Atomenergie CO2-frei? […]
April 18th, 2008 at 12:25 am
Ja klar… schon mal jemand daran gedacht das bei vielen Wasser- Kraftwerken viele Fische verenden ?
Solar wäre die einzige Variante, nur müsste da schon eine ziemliche Fläche überdeckt werden… gegen Solarzellen aufm Dach hab ich nichts, aber ganze “Landschaften” Abdecken damit geht auch nicht
ich denke es gibt keine in dem Sinne “Saubere” energie, irgendwer wird immer irgendwas stören….
May 14th, 2008 at 2:05 pm
@Housi: Wenn man alle Dächer der Schweiz mit Solarpanels bedecken würde, könnten wir 30% unseres Stromhaushalts decken, was schon fast alle AKWs unnötig machen würde.
Die Frage ist also nicht ob eine AKW-freie Stromproduktion in der Schweiz möglich ist, die Frage ist, ob wir es tun.
July 5th, 2008 at 12:27 am
[…] RainbowNet: AKW-Störfälle und AKW-Unfälle RainbowNet: AKW Haftpflicht - nicht einmal 1 Prozent versichert RainbowNet: Ist Atomenergie CO2-frei? […]
July 10th, 2008 at 11:54 am
Nahezu alle Energiequellen nutzen Atomenergie! Wir sprechen physikalisch korrekt von Kernenergie, das zeigt wie sehr die Diskussion Fakten vernachlässigt
July 12th, 2008 at 6:53 pm
@Locutus: Was für Käfer hast denn Du geraucht, um zu solch einem Schluss zu kommen? Die Produktion von erneuerbaren Energien ist selbstverständlich mit Strom aus erneuerbaren Energien möglich. Wem willst Du mit so einer Aussage Sand in die Augen streuen?
Die Aussage dieses Blogbeitrags ist, dass Atomenergie nicht CO2-frei ist und dass die Atomlobby rund um AXPO und AVES den lieben langen Tag nichts anderes macht, als eben zu behaupten, AKW’s seien CO2-frei.
Achja die Lüge von der Stromlücke wird natürlich ebenfalls rezitiert, was bleibt ist einzig eine grosse Hirnwäsche, die verheimlichen soll, dass die Schweiz kein neues AKW braucht.
Deshalb reden wir lieber weiter von Atomenergie anstatt von Kernenergie, damit nie vergessen wird, dass Atom das Potential hat, eine nukleare Katastrophe weit höher als in Tschernobyl zu verursachen.