AKW Haftpflicht - nicht einmal 1 Prozent versichert
Schweizer AKW sind für den Schadensfall für weniger als ein Prozent versichert, für die restlichen 99% haftet der Steuerzahler. Warum sollen ausgerechnet Risikotechnologien von der Haftung verschont bleiben? Die Alianz «Stopp Atom» fordert nun Kostenwahrheit für AKW.
Beginnen wir mit etwas Mathematik:
Die Schweizer Atomkraftwerke sind verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung abzuschliessen für 1 Milliarde. Unsere “Volksvertreter” haben diese Haftpflicht auf 2.2 Milliarden erhöht…….. aber ein Super-GAU, also ein grösster anzunehmender Unfall in einem AKW, verursacht einen Schaden von geschätzten 4′300 Milliarden.
Für weniger Aufmerksame nochmal ganz nach Milchbüechli-Art:
| Kosten AKW Super-GAU Haftung der AKW-Betreiber Haftung des Steuerzahlers |
4′300′000′000′000.– - 2′200′000′000.– 4′297′800′000′000.– |
Bei 7.5 Millionen Einwohnern resp der Hälfte die einen atomaren Super-GAU überleben, ergibt sich eine pro Kopf Resthaftung von - sagen wir mal 4′297′000 Millionen geteilt durch 4,297 Millionen Überlebende - sage und schreibe eine Million pro Kopf.
Kurzgefasst heisst das: Weil AKW für weniger als 1 Prozent eines möglichen Schadens versichert sind, zahlt im Falle eines Super-GAU’s jeder Schweizer EINE MILLION.
Man muss sich das Gesicht eines Strassenverkehrsamt-Beamten vorstellen, wenn ihm jemand erklärt: “Ich habe nur eine Haftpflichtversicherung für eine Schadenssumme von 1000 Franken abgeschlossen, wissen Sie, ein wirklich grosser Unfall wird mir eh nie passieren, ich bin ein sehr vorsichtiger Fahrer, mehr als ein Parkschaden ist bei mir nicht vorstellbar.“.
So ähnlich läuft es auch mit den Sicherheitsvorschriften. Wenn ein AKW die Sicherheitsvorschriften noch nicht erfüllt hat, dann gibt man ihr halt eine befristete Bewilligung. So läuft das AKW Mühleberg seit Jahrzehnten. Versuch das mal mit einem Auto das nicht alle Bremsklötze hat, wetten da gibts keine provisorische Fahrbewilligung?
Aber die AKW-Betreiber haben’s gut, die müssen sich nicht mit dem Strassenverkehrsamt herumschlagen, sie haben dutzende Politiker von SVP und FDP die für sie in Bern lobbyieren. Man beachte nebenbei die Parlamentarierliste der Atomlobby-Organisation AVES.
Wenn ein “Kernenergiehaftpflichtgesetz” so grosszügig ausfällt, ist es kein Wunder mehr, dass Atomenergie so günstiger ist als erneuerbare Energien.
Die Mitglieder der Allianz Stopp Atom
Greenpeace: Schwere AKW-Unfälle in der Schweiz: Wer muss bezahlen?
Tagi: «Stopp Atom» kritisiert Haftpflichtregelung
Tagi: AKW sollen für 500 Milliarden haften
20min: AKW-Betreiber zur Kasse bitten
Mini-Haftpflicht-Deckung bei Atomunfällen
20min: Mehr Geld für den Super-GAU
Bundesrat erhöht Deckungssumme für AKW’s in lächerlicher weise
AKW-Sicherheit – Das Lügengebäude der Atomlobby
Braucht die Schweiz ein neues AKW?
Update 27.5.2008:
Die bürgerlichen Atomlobbyisten haben das Kernenergiehaftpflichtgesetz definitiv durchgewunken, ihre Klientel soll auch zukünftig weniger als 1% eines möglichen AKW-Unfalls versichern. Wäre der Lobbyismus der sogenannten Bürgerlichen nicht so offensichtlich, müsste man dem Parlament glatt kollektive Demenz vorwerfen.
AKW-Unfall könnte über 4000 Milliarden kosten
Schweizer Tschernobyl würde 4000 Milliarden kosten
November 20th, 2007 at 11:11 pm
Wenn du schon am rechnen bist: Rechne mal aus was die jährliche Prämie für eine Haftpflichtversicherung bei einer Versicherungssumme von 4300 Milliarden wäre. Und dann was das für den einzelnen Steuerzahler ausmachen würde.
Ich glaube nicht, dass wenn Tschernobyl II in der Schweiz passieren würde, die Haftung das grösste Problem der Steuerzahler wäre. Dann hätten wir ganz andere Probleme, bzw. gar keine mehr.
November 21st, 2007 at 2:14 pm
@kobi: genau das macht diese Frage so wichtig, Atomstrom ist nicht billig sondern nur massiv unterversichert. Bei adäquater Haftung wäre Atomstrom nicht mehr rentabel. Die Mär vom billigen Atomstrom ist genauso eine Lüge wie die Mär vom CO2-freien Atomstrom.
December 20th, 2007 at 1:23 pm
[…] dem Nationalrat hat nun auch der Ständerat die Haftung für Atomkraftwerke von 1 auf 1,8 Milliarden erhöht. In Anbetracht der Schadensumme eines AKW Unfalls von ca. 500 […]
June 7th, 2008 at 12:51 pm
[…] Artikel sollten uns daher ernsthaft zu denken geben: AKW Haftpflicht - nicht einmal 1 Prozent versichert AKW Haftung - Rolf Schweiger lügt für AVES und Nuklearforum Kinder-Krebsrate und Atomkraftwerke […]
July 5th, 2008 at 12:27 am
[…] AKW-Störfälle und AKW-Unfälle RainbowNet: AKW Haftpflicht - nicht einmal 1 Prozent versichert RainbowNet: Ist Atomenergie […]
October 10th, 2008 at 1:18 pm
[…] Presseerklärung der Strahlenschutzkommission zu ihrer Bewertung der KiKK-Studie (pdf) Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken WOZ: Die Indizien sagen: Schuldig! Strahlenschutzkommission bestätigt erhöhtes Krebsrisiko in der Nähe von Atomkraftwerken Kinder-Krebsrate und Atomkraftwerke AKW Haftpflicht - nicht einmal 1 Prozent versichert […]