Wenn nicht ich, wer dann?
Thursday, November 8th, 2007Wenn ich es nicht tue, dann tut’s halt ein Anderer, was spielt das für eine Rolle? So oder ähnlich wird oft argumentiert, wenn man erklären möchte, warum man etwas getan hat, das niemand hätte tun dürfen. Aber ist diese Erklärung nicht nur eine billige Ausrede für die eigene Inkonsequenz und die eigene Unehrlichkeit?

- Wenn nicht wir Waffen liefern, dann liefert sie ein Anderer.
- Wenn ich ihn nicht foltere, dann foltert ihn ein Anderer.
- Wenn ich nicht schiesse, dann schiesst ein Anderer.
- Wenn ich dieses dreckige Geschäft nicht erledige, dann verdient ein Anderer daran.
Soll das die Grundlage unserer Entscheidung sein - ob es sonst ein Anderer macht?. Müsste uns nicht eher die Frage treiben, ob wir das für uns selbst verantworten können, ungeachtet davon, ob es ein Anderer tut oder ob es nützlich ist?
Solange jeder davon ausgeht, dass es eh ein Anderer machen würde, wird es nie soweit kommen, dass es niemand mehr macht.
Diese Ausrede ist genauso verlogen wie die Haltung, dass das, was man machte, nicht schlimm ist, weil Andere das ja auch tun. Auch hier stellt sich die Frage: Was oder wer ist der Massstab Deines Handelns? Wird ein Tat besser oder schlechter, wenn Andere es auch tun oder wenn es sonst ein Anderer tun würde?
So dreht sich die Welt weiter, jeder schweinerlt sich durchs Leben und tröstet sich damit, dass man nicht alleine ist mit seinen Schweinereien, dass es ja eh ein Anderer tun würde oder dass es ja eh nichts bringt etwas zu verbessern, solange “die Anderen” nichts ändern.
So können wir uns weiter daneben benehmen und von unserem inneren Schmutz ablenken, indem wir den Schmutz Anderer betrachten. Ist das der Sinn unseres Lebens? An ihren Früchten wird man sie erkennen - so heisst es - aber es war nie die Rede davon, dass faule Früchte durch den Vergleich mit anderen faulen Früchten süsser werden.